Da braut sich was zusammen: Aus Biertreber wird veganes Fleischbällchen

Es gibt ein Leben danach. Zumindest, wenn’s ums Bier geht. Gemeinsam mit easyVEGAN hat die Brauerei Stiegl einen Weg gefunden, Braumalzrückstände sinnvoll zu verwerten, und serviert neuerdings eine Produktweltneuheit zum Bier: vegane Fleischbällchen- und laibchen aus Biertreber.

Vom Bier lassen die Österreicher:innen bekanntlich wenig übrig. Immerhin liegt der Pro-Kopf-Bierkonsum in Österreich bei mehr als 100 Litern pro Jahr. Auf der ganzen Welt sind nur die Tschech:innen noch trinkfreudiger als wir. Bei der Produktion des beliebten Gerstensafts fallen hingegen sehr wohl Reste an, wie zum Beispiel der Treber. Konkret handelt es sich dabei um die festen Rückstände des Braumalzes, die nach dem Auskochen des verschroteten Getreides und dem Ablassen des Wassers zurückbleiben.

Das Bier wird aus der Flüssigkeit, der sogenannten Würze, hergestellt. Wobei die Brauer:innen darauf achten, dass der Eiweißgehalt möglichst niedrig bleibt, weil Eiweiß das Bier trüben würde. Wohin also mit dem ganzen Protein? Das landet in den Brau-Nebenprodukten, was wiederum die Bauern aus der Region freut. Denn diese nutzen die Reststoffe als Futtermittel für ihre Rinder. Rund 19.000 Tonnen Treber fallen allein bei Stiegl in Salzburg jedes Jahr an.

Mit Treberprodukten spart man gegenüber einem konventionellen industriellen Rindfleisch bis zu 94 Prozent.

Aus Reststoff wird Rohstoff

Durch das Verfüttern von Biertreber brauchen die Landwirte weniger Eiweißfutter für ihre Kühe und müssen geringere Mengen an Soja importieren. Ein guter Weg also, um Rohstoffe mehrfach zu nutzen, von dem sowohl die Tiere als auch die Umwelt profitieren. Doch damit wollte man sich bei Österreichs größter Privatbrauerei nicht zufriedengeben. Immerhin enthält der Biertreber die Nährstoffe der Gerste in konzentrierter Form und neben einem hohen Eiweißgehalt auch viele Ballaststoffe. Eine Wiederverwertung in der Lebensmittelproduktion war deshalb naheliegend.

Im Stiegl-Biergut Wildshut an der Grenze zwischen Salzburg und Oberösterreich wird der Treber daher zum Brotbacken verwendet. Wie schon im Mittelalter, als die Frauen, die damals für das Bierbrauen zuständig waren, die Nebenprodukte in den Brotteig mischten. Die Idee ist zwar gut, aber nicht neu. Gemeinsam mit dem Bergheimer Start-up easyVEGAN machte Stiegl sich auf die Suche nach weiteren Möglichkeiten, um die Braumalzrückstände wiederzuverwerten und fand schließlich eine Alternative, die genau den Zeitgeist trifft: vegane Fleischbällchen und Burger aus Biertreber.   

Gut für Gesundheit und Klima

„Mit dieser weltweit einzigartigen Produktinnovation ist es uns gelungen, einem hochwertigen Brau-Nebenprodukt einen neuen Wert zu geben und somit einmal mehr verantwortungsvoll und schonend mit unseren Ressourcen umzugehen“, freut sich Stiegl-Bräuin Mag. Alessandra Kiener. Mit den veganen Fleischbällchen und Burgerlaibchen, die über den Großhändler METRO verkauft werden, schlägt man gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Denn mittlerweile greifen immer mehr Menschen lieber zu pflanzenbasierten Alternativen als zu Fleisch. Und das nicht nur der eigenen Gesundheit zuliebe.

Auch das Wohl der Tiere, der Umweltschutz und der Nachhaltigkeitsgedanke rücken vermehrt ins Bewusstsein und haben Einfluss auf die Kaufentscheidung. „Der Schritt weg vom übermäßigen Fleischkonsum hin zu mehr rein pflanzlicher Ernährung ist auch ein wichtiger Schritt im Sinne des Klimaschutzes“, betont easyVEGAN-Geschäftsführer und Mitgründer Martin Jager: „Mit unseren Treberprodukten sparen wir gegenüber einem konventionellen industriellen Rindfleisch bis zu 94 Prozent an CO2-Emissionen und bis zu 83 Prozent an Wasser ein.

Mittlerweile greifen immer mehr Menschen zu pflanzenbasierten Alternativen.

Teller aus Treber

Allerdings muss der Treber möglichst schnell verarbeitet werden, da er sonst verderben kann, erklärt Stiegl-Chefbraumeister und  -Geschäftsführer Christian Pöpperl, der in der Brauerei ein Team zum Thema Ressourceneffizienz- und Kreislaufwirtschaft leitet. Um das zu verhindern, hat man eine weitere Möglichkeit gefunden, um die Brau-Nebenprodukte sinnvoll zu nutzen: Gemeinsam mit Schüler:innen der HBLA entwickelten FH-Studierende kompostierbare Einwegteller aus Biertreber und Weizenkleie.

Dadurch kann man nicht nur mit dem, was auf den Tellern landet, einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sondern auch mit den Tellern selbst. Und Stiegl bleibt seinem Vorsatz treu, Rohstoffe mehrfach zu nutzen und die Ressourcen zum Bierbrauen so lange wie möglich im Kreislauf zu halten.

Über Stiegl:

Das Traditionsunternehmen produziert selbst Ökostrom mit einer Photovoltaikanlage sowie einem lokalen Wasserkleinkraftwerk und nutzt innovative und umweltschonende Technologien, etwa im Bereich der Kältetechnik beim Bierbrauprozess. Einen besonderen Stellenwert hat auch die „Kaskadennutzung“, bei der Rohstoffe effektiv und mehrfach genutzt werden, um sie so lange wie möglich im Wirtschaftssystem zu halten. Durch die gelebte Kreislaufwirtschaft ist der CO2-Fußabdruck pro Liter Bier bereits enorm gesunken und liegt aktuell bei 201 Gramm. Bis 2025 hat sich das Unternehmen zum Ziel gesetzt, einen Wert unter 190 Gramm zu erreichen.

Über easyVEGAN:

Weil Cassandra Winter Burger liebt, es aber am Markt keine veganen Produkte gab, die ihr schmeckten, entwickelte sie 2013 gemeinsam mit Martin Jager selbst vegane Burger. Anfangs verkauften sie diese in Österreichs erstem veganen Food-Trailer, später gründeten sie eine Manufaktur für ihre Produkte. Anfang 2019 lieferten sie schließlich die ersten Kartons aus. In ihrer Küche entstehen heute nicht nur vegane Burger, Bällchen, Taler und Stäbchen, sondern auch Ideen für neue Produkte. So kam es auch zur Zusammenarbeit mit der Brauerei Stiegl. Von der Idee, Treber wiederzuverwerten, bis zur Auslieferung an die Gastronomie brauchten sie weniger als ein halbes Jahr.

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