Digitalisierung

Digitalisierung schafft mehr Arbeitsplätze, als sie vernichtet

Gleich mehrere aktuelle Studien kommen zu dem Schluss, dass die gerade im Jahr der Pandemie besonders beschleunigte Digitalisierung mehr Arbeitsplätze schafft, als sie vernichtet. Das Thema Bildung wird in Zukunft eine besondere Rolle spielen.

Wenn man so will, dann hat die Corona-Krise in Sachen Digitalisierung wie eine Art Brandbeschleuniger gewirkt. Nicht nur, dass Unternehmen, die von digitalen Angeboten leben (Stichwort: Amazon), Rekordgewinne eingefahren haben, auch in Österreich nutz(t)en viele Betriebe die Pandemie, um in Sachen Digitalisierung nächste Schritte zu tun. Das hat einerseits damit zu tun, dass viele schlichtweg aus einer Existenzbedrohung heraus in die Gänge kommen mussten. Andererseits aber wurden auch die Förderangebote der Bundesregierung durchaus motiviert und dankbar aufgenommen.

Macht Österreich in Sachen Digitalisierung Boden gut?

Diese Tatsache vermittelt vielen Menschen das Gefühl, dass Österreich den Anschluss an digitale Großmächte wie die USA nicht verliert, sondern vielmehr Boden gutmacht. Gleichzeitig allerdings wird immer wieder auch die Sorge laut, wonach durch die Digitalisierung Jobs verloren gehen würden. Gerade im Zusammenspiel mit der Pandemie, die so oder so bereits viele Arbeitsplätze vernichtet hat, würde die Situation am Arbeitsmarkt daher zusätzlich verschärft. Kurz: Ein Teufelskreis wird befürchtet.

Doch wenn man sich unterschiedliche aktuelle Studien ansieht, dann besteht definitiv kein Grund, den Teufel an die Wand zu malen. Ganz im Gegenteil. Wissenschaftliche Expertisen aus Österreich und Deutschland kommen unabhängig voneinander zu dem Schluss, dass die Digitalisierung mehr Arbeitsplätze schafft, als sie vernichtet.

Geldautomaten und Scannerkassen als Innovationen mit Überraschungseffekt

Aber bevor wir uns den vorliegenden Daten widmen, gehen wir in der digitalen Geschichte einen Schritt zurück. Als vor ungefähr 50 Jahren in den USA Geldautomaten und etwas später Scannerkassen eingeführt wurden, befürchteten die Menschen, dass abertausende Arbeitsplätze verloren gehen würden. Doch wie sich herausstellte, war das genaue Gegenteil der Fall. Dies fand das weltweit anerkannte Beratungsunternehmen Roland Berger heraus.

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Befürchtungen, wonach Scannerkassen wie diese Arbeitsplätze vernichten würden, stellten sich als falsch heraus. Das Gegenteil war der Fall, wie Studien belegten.Foto: Adobe Stock | Maria Sbytova

Tatsächlich führte diese frühe Digitalisierungswelle zu „mehr Beschäftigungen in Bankfilialen und im Einzelhandel“, wie Roland Berger 2017 postulierte. Als Grund gibt das Unternehmen die erhöhte Wettbewerbsfähigkeit an, die so möglich wurde. Und die vor allem auch ein Abwandern von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer verhindert hätte.

Digitalisierung schafft jährlich 20.000 Arbeitsplätze

Zu ähnlichen Schlussfolgerungen für den aktuellen österreichischen Arbeitsmarkt kommt das internationale Beratungsunternehmen Accenture in seiner Mitte 2020 vorgelegten Studie „Digitalisierung – Konjunkturmotor aus der Krise“. Die Kernaussage: Durch die Forcierung digitaler Transformation sei ein zusätzliches Beschäftigungswachstum von 0,4 Prozent realisierbar. Das würde jährlich knapp 20.000 Arbeitsplätze mehr bedeuten, die durch Digitalisierung geschaffen würden.

Michael Zettel, Country Managing Director Accenture Österreich, kommt in mehreren Studien zu dem Schluss, dass die Pandemie die Digitalisierung beschleunigt. Und diese wiederum den Arbeitsmarkt ankurbelt.Foto: Accenture | Martina Draper

Bereits jetzt sieht man, dass 50 Prozent aller neu entwickelten Arbeitsplätze diesem Wirtschaftsmotor zuzuordnen sind, so die StudienautorInnen. In Geld ausgedrückt nennt die Expertise ein durch digitale Möglichkeiten generiertes BIP-Wachstum von sagenhaften 1,9 Prozent. Das entspricht knapp 3,6 Milliarden Euro.

Digitalisierung hat 57 Prozent der Unternehmen in der Krise geholfen

Wie sehr diese Entwicklung durch die Corona-Krise befeuert wird, belegt die Ende des Jahres 2020 ebenfalls von Accenture vorgelegte Folgestudie „Raise the Curve – mit Digitalisierung zu mehr Resilienz und Wachstum“. Ihr Fazit: 57 Prozent der 791 befragten heimischen Unternehmen gaben an, dass digitale Möglichkeiten bei der Bewältigung der Krise stark oder sehr stark geholfen haben.  Nur zehn Prozent konnten keine relevanten Hilfestellungen durch moderne Technologien feststellen.

Für zahlreiche Unternehmen war die Nutzung von digitalen Technologien überlebenswichtig. Viele Beschäftigte konnten dank der Digitalisierung ihre Tätigkeiten im Homeoffice fortführen, sie hätten andernfalls oftmals wohl nicht die Möglichkeit zum Weiterarbeiten gehabt.

Michael Zettel, Geschäftsführer von Accenture Österreich

Michael Zettel, Geschäftsführer von Accenture Österreich: „Für zahlreiche Unternehmen war die Nutzung von digitalen Technologien überlebenswichtig. Ohne digitale Verkaufskanäle – insbesondere die großen Plattformen des Onlinehandels – hätten zahlreiche Firmen den Lockdown nicht überstanden. Viele Beschäftigte konnten dank der Digitalisierung ihre Tätigkeiten im Homeoffice fortführen. Sie hätten andernfalls oftmals wohl nicht die Möglichkeit zum Weiterarbeiten gehabt.“ Zudem kommt der Experte zum Schluss, dass sich ein höherer Digitalisierungsgrad innerhalb eines Unternehmens besonders bezahlt macht: „Je höher, desto umfangreicher lassen sich die Vorteile der Digitalisierung nutzen.“

Roboter ersetzen weniger Arbeitsplätze als neue geschaffen werden

Doch auch wenn die aktuellen Zahlen offenbar belegen, dass der Einsatz moderner Maschinen keinen Verlust an Arbeitsplätzen bedeutet, stellt sich trotzdem die ganz einfache Frage nach dem Warum. Und diese ist in Wahrheit auch relativ einfach beantwortet. Salopp gesagt, werden durch die Digitalisierung schlichtweg mehr neue Arbeitsplätze geschaffen, als alte wegfallen.

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Expertisen besagen: Wenn etwa ein Autobauer MitarbeiterInnen in der Fertigung durch vollautomatisierte Roboter ersetzt, entstehen im gleichen Atemzug ähnlich viele oder gar mehr Arbeitsplätze – etwa in der IT-Abteilung.Foto: Die Industrie | Mathias Kniepeiss

Vereinfacht dargestellt: Wenn etwa ein Autobauer MitarbeiterInnen in der Fertigung durch vollautomatisierte Roboter ersetzt, entstehen im gleichen Atemzug ähnlich viele oder gar mehr Arbeitsplätze. In der IT-Abteilung des Unternehmens etwa, die diese und zukünftige Roboter entwickeln.

Bildung wird durch Digitalisierung immer relevanter

Eben deshalb erklären die Fachleute von Accenture allerdings auch: „Je schneller Menschen Fähigkeiten lernen, die in einer digitalisierten Wirtschaft benötigt werden, desto schneller verkleinert sich der Anteil jener Jobs, die durch neue Technologien automatisierbar sind.“ Damit stoßen sie in das gleiche Horn wie ihre KollegInnen vom „Institut der deutschen Wirtschaft“. In deren – zumindest teilweise – vergleichbaren Studie zum jedenfalls gleichen Thema wird ebenso festgehalten, dass die Digitalisierung in Deutschland mehr Arbeitsplätze schaffen als ersetzen wird. Jedoch würden es Menschen mit keiner oder einer bloß geringen Ausbildung zunehmend schwerer haben.

Auftrag an die Bundesregierung

Es liegt also an uns und an Österreich, intensiv auf das Thema Bildung zu setzen. Das unterstreichen auch Prognosen der OECD. Diese gehen davon aus, dass 65 Prozent unserer Kinder Jobs ausüben werden, die es heute noch gar nicht gibt. Und die also auch besondere Spezialbildungen benötigen werden.

Also beruhigen alle StudienautorInnen gemeinsam: „Es gibt keinen Grund zur Sorge. Schon die Vergangenheit hat gelehrt, dass technischer Fortschritt am Ende mehr Jobs und mehr Wohlstand bringt – und nicht weniger.“ Genauso wird es wohl auch mit dem aktuell gewiss rasanten Schritt nach vorne, dem digitalen Fort-Schritt, sein.

Über Accenture:

Accenture ist ein weltweit tätiges Beratungsunternehmen, führend in Digitalisierung, Cloud und Security. Es punktet durch umfassende Erfahrung und spezialisierten Fähigkeiten in mehr als 40 Branchen ein und bieten Dienstleistungen aus den Bereichen Strategy & Consulting, Interactive, Technology und Operations – gestützt auf das weltweit größte Netzwerk aus Centern für Advanced Technology und Intelligent Operations. 506.000 Mitarbeitenden arbeiten jeden Tag für Kunden in über 120 Ländern daran, Technologie und menschliche Kreativität zu vereinen. Wir setzen auf Veränderung, um Mehrwert und gemeinsamen Erfolg zu schaffen – für Kunden, Mitarbeitende, Aktionäre, Partner und für die Gemeinschaft.

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