österreichische Stahlindustrie

Sieben stahlharte Fakten zur heimischen Stahlindustrie

Stahl ist in unserem Alltag bereits so allgegenwärtig, dass wir ihn gar nicht mehr hinterfragen. Zeit, das zu ändern. Was kann er alles, wie wird er erzeugt und von wem? Sieben Klicks – und Sie wissen mehr.

Stahl ist unumstritten einer der vielseitigsten Konstruktionswerkstoffe und durch seine Beschaffenheit nahezu unbegrenzt wiederverwertbar. In seiner einfachsten Form wurde er bereits vor ungefähr 3.500 Jahren eingesetzt, damals noch hauptsächlich für Waffen, Rüstungen und Werkzeug. Heute gilt die Stahlerzeugung als ein wichtiger Indikator des technischen und wirtschaftlichen Fortschritts – und als selbstverständlicher Alltagsbegleiter. Stahl ist einfach da, und das quasi überall. Es lohnt sich aber, die Geschichte und Herstellung von Stahl näher zu beleuchten, da sie viel Interessantes und Unbekanntes beinhalten. Hätten Sie beispielsweise gewusst, dass Panzerhemdmacher einmal einer der prestigeträchtigsten Berufe überhaupt war? Eben. Sieben weitere – im wahrsten Sinne des Wortes – stahlharte Fakten zum Durchklicken:

  • Lehrlinge Stahlindustrie
    Grüner wird’s noch – Stahl und seine Ökobilanz: Zuerst die Good News: Eisen als Hauptbestandteil des Stahls ist für Umwelt, Mensch und Tier nicht toxisch. Fertiger Stahl enthält außerdem keine chemischen Zusätze und stößt keine schädlichen Dämpfe aus. Die Stahlerzeugung setzt aber Emissionen frei und ist eine große Energieverbraucherin. Im Jahr 2013 entfielen ungefähr 18 % des gesamten weltweiten industriellen Endenergieverbrauchs auf den Eisen- und Stahlsektor. Bei der Ökobilanz von Stahl muss man zwischen den zwei Herstellungsmethoden unterscheiden:

    Die Primärerzeugung: Bei der Herstellung eines Kilogramms Rohstahl erreichen die besten Hochöfen in Europa bereits das von der EU vorgegebene, als umweltverträglich geltende Limit von 1,371 kg CO2. Um noch größere Emissionsreduktionen zu erreichen, wird laufend an neuen Produktionsmethoden geforscht. Wie genau das in Zukunft aussehen könnte? Bei der voestalpine läuft ein entsprechendes Projekt.

    Das Stahlrecycling im Elektrolichtbogenofen: Da hier die aus Kohle stammende chemische Energie eingespart wird, benötigt das Recycling von Stahlschrott bis zu 60 % weniger Energie als die Primärerzeugung. Die genaue CO2-Bilanz ist abhängig von der verwendeten Stromerzeugung, die in Zukunft vermehrt aus erneuerbaren Quellen stammen soll. Da diese Methode kostenintensiver ist, wird der Elektrolichtbogenofen häufig zur Herstellung von Qualitätsstahl und Rostfreistahl genutzt. Auch diese Methode emittiert gas- und staubhaltige Stoffe; für eine gute Ökobilanz sind daher wirkungsvolle Absauganlagen und Filter erforderlich. Foto: Fachverband Metalltechnische Industrie
  • Stahlindustrie
    Recycling-Champion Stahl: Stahl ist mit 500 Millionen Tonnen pro Jahr der weltweit meistrecycelte Industriewerkstoff; die Recyclingquote liegt bei 70 %. In Österreich, Deutschland und der Schweiz werden sogar bis zu 99 Prozent des gesammelten Baustahls und Alteisens wiederverwendet. Dabei sind elf Prozent des alten Baustahls beim Abbruch einer Stahlkonstruktion sofort wiederverwendbar und werden ganz ohne zusätzlichen Energieaufwand in neuen Projekten verbaut.

    Der Rest kommt als Schrott zurück ins Stahlwerk und wird dort, mit weit weniger Energieaufwand und CO2-Ausstoß, in einem Elektrolichtbogenofen wieder zu frischem Baustahl aufbereitet. Foto: Fachverband Metalltechnische Industrie
  • österreichische Stahlindustrie
    Abfallprodukte finden neue Verwendung: Die Entstehung, Handhabung und Entsorgung von Abfallstoffen wie Staub und Feinstoffen stellen in der Stahlindustrie ein Problem dar. Deswegen setzen sich Regierungen in der ganzen Welt ehrgeizige Ziele für die Senkung der Emissionen aus industriellen Stahlwerken.

    Die Wiederverwertung von Abfallstoffen soll dabei einen Beitrag leisten. Abfälle aus Hochöfen, Elektrolichtbogenöfen und Walzwerken werden zu rentablen Nebenprodukten aufbereitet, die ohne Effizienzeinbußen in den primären Prozessen wieder eingesetzt werden.

    Beispiele dafür sind die Nebenprodukte Filterstaub und Schlacke: Durch moderne Entstaubungsanlagen und die Aufbereitung des stark zinkhaltigen Filterstaubs kann der gewonnene Metallstaub als Rohstoff wiederverwendet werden. Sogenannte Pfannenschlacke aus der Stahlerzeugung kann außerdem als Oberbaumaterial beim Straßen- und Eisenbahnbau eingesetzt werden oder nach entsprechender Aufbereitung als Düngekalk in der Landwirtschaft. Foto: Fachverband Metalltechnische Industrie
  • Österreichische Stahlindustrie
    Überraschender Sortenreichtum: Stahl = Stahl? Stimmt nicht! Denn allein in Europa gibt es bereits über 2.500 genormte Stahlsorten. Und jedes Jahr kommen etwa 30 neue dazu.

    Seine Eigenschaften können mittlerweile sogar passgenau auf das jeweilige Einsatzgebiet abgestimmt werden. Foto: Fachverband Metalltechnische Industrie
  • Lehrlinge Stahlindustrie
    Die Metalltechnische Industrie ist überwiegend in Familienhand: Über 1.200 Unternehmen aus den Industriezweigen Maschinenbau, Anlagenbau, Stahlbau, Metallwaren und Gießerei bilden das Rückgrat der Metalltechnischen Industrie (ein Zusammenschluss der ehemaligen Fachverbände Maschinen- und Metallwarenindustrie sowie Gießereiindustrie). Sie sind für ein Viertel aller österreichischen Exporte verantwortlich. 2020 lag der erwirtschaftete Produktionswert bei rund 34 Milliarden Euro. Die exportorientierte Branche ist dabei fast ganz in Familienhand: Mehr als 85 % davon sind Familienbetriebe. Foto: Fachverband Metalltechnische Industrie
  • Eiffelturm
    Baustahl ist ein wahres Kraftpaket: Baustahl hat im wortwörtlichen Sinne Superkräfte. Ein Stab mit einem Querschnitt von nur einem Quadratzentimeter hält beispielsweise einem Gewicht von 3.600 Kilogramm stand. Dadurch werden schlanke Konstruktionen bei sehr großen Spannweiten erst möglich. Gute Eigenschaften, die Stahl zu einem gefragten Werkstoff machen: Etwa die Hälfte des weltweit hergestellten Stahls wird für die Errichtung von Gebäuden und Infrastruktur verwendet.

    Der Pariser Eiffelturm ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich seine Eigenschaften in den letzten Jahrzehnten nochmals stark verbesserten: Eiffels Stahlskelettbauweise wurde ab der Fertigstellung 1889 zum Standard im Hochhausbau. Damals benötigte man für diese weltbekannte Konstruktion rund 6.300 Tonnen Eisenträger und insgesamt rund 15.000 Stahlteile. Heute, da sind sich ExpertInnen einig, könnte man mit weniger als einem Drittel des Materials einen ebenso, wenn nicht noch stabileren Turm bauen.Foto: adobe stock | adisa
  • österreichische Stahlindustrie
    Pandemiebedingte Preisexplosion: Die Preise von Industriemetallen sind seit Ende letzten Jahres in Österreich und global stark gestiegen. Gründe dafür sind überraschend hohe Nachfrage, geringe Kapazitäten, weniger Importe aus China, Schutzzölle und hohen Frachtpreise. Die Tendenz ist immer noch steigend; seit November 2020 hat sich der Stahlpreis laut dem Großhandelspreisindex Eisen und Stahl um 36,5 % erhöht.

    Gleichzeitig verzeichnete die Metalltechnische Industrie im Jahr 2020 pandemiebedingt einen Produktionsrückgang von 10,6 %; das entspricht einem Produktionswert von rund 3,6 Milliarden Euro. Das zweite Halbjahr 2020 brachte dann eine kleine Stabilisierung der globalen Nachfrage, vor allem in den drei wichtigsten Exportmärkten der heimischen Stahlindustrie: Deutschland, USA und Frankreich. Foto: Fachverband Metalltechnische Industrie
Credits Artikelbild: Fachverband Metalltechnische Industrie
Lichtblick

Dir gefällt, was du hier liest?

Einfach "Fakt & Faktor" als Newsletter abonnieren!

Jetzt abonnieren