Fischer Ski Skikante

Das zweite Leben von Aluminium – als Skikante

Das Thema Nachhaltigkeit ist auf den Pisten angekommen. Die heimische Skiindustrie reagiert – mit sauberer Energie und Recyclinginnovationen, beispielsweise bei Skikanten.

Ein Blick in die Berge und auf Wetterkarten lässt wenig Zweifel: Der Winter ist zurück – und damit die Skisaison. Begleitet wird alles rund um die zwei Bretter, die in Österreich die Welt bedeuten seit einiger Zeit von intensiven Diskussionen rund um das Thema Nachhaltigkeit. Die Skifabrikanten setzten diesbezüglich auf Transformation und Innovation – beispielsweise bei Skikanten.

So verwendet der oberösterreichische Skiproduzent Fischer aus Ried im Innkreis bei seinen Alpinmodellen der „Ranger“-Serie Skikanten, die aus recyceltem Aluminium hergestellt werden. Das Know-how dafür kommt „aus der Nachbarschaft“: von der AMAG-Gruppe aus Braunau-Ranshofen, die ein nachhaltiges Titanal entwickelt hat.

Titanal – Was ist das?

  • Der Werkstoff Titanal ist eine hochfeste Aluminiumlegierung, die speziell für die Skiindustrie entwickelt wurde.
  • Für den Schichtaufbau moderner Ski, die sogenannte Sandwichbauweise, ist eine Legierung gefragt, die nicht nur leicht, sondern auch hart und resistent gegen bleibende Deformationen ist. Die Produktion ist komplex und erfordert eine hoch entwickelte Schmelzbehandlung sowie ein spezielles Gießverfahren.
  • Obwohl Titan nur zu 0,25 Prozent zugegeben wird, erhöht sich die sogenannte Bruchdehnung des Materials. Es wird stabiler.
  • Im Ski wird das Titanal unterhalb der Skioberfläche und oberhalb der Lauffläche verbaut. Es ist für die Formsteifigkeit verantwortlich. Da es Druck- und Zugbeanspruchungen aufnimmt, sorgt es für eine optimale Druckverteilung über die gesamte Länge des Skis und eine hohe Laufruhe. Je schmäler der Ski, desto länger ist die verbaute Titanalschicht.

Produziert wird das Titanal aus einer Kombination aus nachhaltigem Aluminium und einem möglichst hohen Anteil an wiederverwerteten Schrotten. Die AMAG setzt dabei auf eine rund 40-jährige Werkstoff- und Recyclingexpertise. Die Walzabläufe wurden entsprechend optimiert und die Lieferketten für die verwendeten Materialien entsprechend zertifiziert.

Aluminiumproduktion Walzanlage
Walzanlage: Bei AMAG verfügt man über hohe Expertise in der Aluminiumproduktion.Foto: AMAG

Im konkreten Fall liegt der Recyclinganteil beim „Titanal green 80“ bei mindestens 80 Prozent. Im Vergleich zu „frisch“ hergestelltem Aluminium können so pro Kilo Aluminium rund 95 Prozent der benötigten Energie eingespart werden.

Titanal in Skistöcken

Das Titanal wird aber nicht nur in Alpinskiern verbaut. Die Kombination aus hoher Belastbarkeit und geringem Gewicht eignet sich auch für den Einsatz in Tourenskiern, Tourenskibindungen, Harscheisen oder Ski- und Wanderstöcken. Gefertigt werden Letztere nur 50 Kilometer vom AMAG-Standort in Ranshofen entfernt bei Komperdell in Mondsee. Die Aluminiumstöcke sind zwar schwerer als jene aus Carbon, aber sie verbiegen sich bei zu großer Belastung. Klingt nicht gerade nach einem Vorteil?

Ist es aber. Denn wenn Carbon einer zu großen Belastung ausgesetzt wird, bricht es. Das Verletzungsrisiko steigt. Aus diesem Grund werden bei Sportarten unter besonders anspruchsvollen Einsatzbedingungen, wie beispielsweise im Alpinbereich, beim Freeriden oder Tourengehen, hauptsächlich Aluminiumstöcke verwendet. Aber selbst Carbonstöcke kommen nicht ganz ohne Aluminium aus. Um besagten Stockbrüchen vorzubeugen, werden sie nämlich mit einer schützenden Aluminiumummantelung versehen.

Atomic setzt auf Pellets statt Öl

Auch bei Atomic hat man Nachhaltigkeit im Fokus. Die Umstellung der Energieversorgung beim Werk in Altenmarkt, wo über 400.000 Ski pro Jahr produziert werden, war dabei ein wesentlicher Schritt. Statt Öl kommen jetzt Pellets zum Einsatz, der Strom kommt bereits seit knapp zehn Jahren zu hundert Prozent aus erneuerbaren Quellen. Das hat die CO2-Emissionen um 95 Prozent verringert.

Zudem wird anfallendes Sägemehl zu Spanplatten weiterverarbeitet, was die CO2-Belastung für die Umwelt im Vergleich zu Kompostierung um 84 Prozent reduziert. Mit derartigen Maßnahmen will die Skiindustrie nicht nur ihren ökologischen Fußabdruck verbessern, sondern auch bei den Konsument:innen punkten. Denn der Wintersport steht in Sachen Nachhaltigkeit generell unter kritischer Beobachtung.

Comeback nach der Corona-Talfahrt

Dazu kamen massive Turbulenzen durch die Coronapandemie. Damals mussten Skigebiete geschlossen bleiben, im Handel sackte der Verkauf rapide von Ausrüstung ein, die Skiproduktion wurde zurückgefahren. Mittlerweile scheint sich der Markt aber wieder erholt zu haben.

Die pandemiebedingte Talfahrt ist zu Ende. So wurden zwischen März 2022 und März 2023 weltweit 3,67 Millionen Paar Alpinskier verkauft. „Wir hatten 2022 unser Rekordjahr, und wir werden heuer noch um vier oder fünf Prozentpunkte zulegen können“, sagt Wolfgang Mayrhofer, Sprecher der österreichischen Ski-Industrie und CEO von Atomic. Auch Franz Föttinger, Geschäftsführer von Fischer-Sports, ist zuversichtlich, dass man wieder das Vor-Corona-Niveau erreichen wird.

Credits Artikelbild: Fischer Sports GmbH
Lichtblick

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