Zukunftsfrage: Wo kommen Fachkräfte für die Energiewende her?

Um aktuelle Herausforderungen wie die Energiewende meistern zu können, brauchen wir dringend Tausende Elektro- und Informationstechniker:innen. Mit einer österreichweiten Kampagne, die sich vor allem online an Schüler:innen richtet, wirbt man nun um Zukunftserfinder:innen.

Um sich vorstellen zu können, was in Zukunft möglich sein wird, lohnt es sich, zurückzublicken. In das Jahr 1882 zum Beispiel. Thomas Edison hatte gerade im New Yorker Stadtteil Manhatten das erste öffentliche Elektrizitätswerk in Betrieb genommen, das künftig Privathaushalte, vor allem jene der Reichen, mit Strom für Glühbirnen versorgen würde. Dank elektrischer Energie sollte jedoch auch dem Rest der Welt schon bald ein Licht aufgehen. Allein, es fehlten die ausgebildeten Spezialist:innen für Elektrotechnik.

Hier kommt ein gewisser Erasmus Kittler ins Spiel, eine weitere wichtige Persönlichkeit der Elektrotechnik, auch wenn er keine bahnbrechende Erfindung vorzuweisen hat. Dafür führte er 1883 den weltweit ersten Studiengang für Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Darmstadt ein. Ziel war es damals, für genügend Fachleute zu sorgen, um die Elektrifizierung in Deutschland voranzutreiben, was letztendlich auch gelang. 

Join the Future
Mit dieser Kampagne werden Schülerinnen und Schüler eingeladen, die Zukunft mitzugestalten.Foto: OVE I Fürthner

14.000 Fachkräfte fehlen

Heute, 140 Jahre später, stellen wir uns ganz neuen Herausforderungen, wie etwa der Energiewende und dem Erreichen der Klimaziele. Gleichgeblieben ist hingegen die Tatsache, dass uns dafür die Fachkräfte fehlen. So kann in der Branche der Elektro- und Informationstechnik jede vierte Stelle nicht besetzt werden. Das heißt, wir brauchen fast 14.000 zusätzliche Fachkräfte, davon 2.000 Spezialist:innen allein im Bereich der Energiewirtschaft – Tendenz steigend.

Die Energiebranche braucht mehr Frauen

Dabei sei gerade dieser Sektor speziell für die jüngere Generation, die aktiv am Aufbau einer nachhaltigen Energiezukunft mitarbeiten möchte, besonders spannend, sagt Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie: „Viele junge Menschen wollen die Welt zum Besseren verändern – wir bieten ihnen die Gelegenheit dazu. Vor allem junge Frauen würden wir gerne stärker für die Arbeit an der Energiewende begeistern – aktuell ist nur eine von fünf Kolleg:innen eine Frau.“ Generell sind weibliche Fachkräfte in der gesamten Branche unterrepräsentiert. Sie werden aber dringend gebraucht. Denn die letzten Jahre, in denen wir unter anderem mit unterbrochenen Lieferketten oder dem Chipmangel zu kämpfen hatten, haben gezeigt, wie wichtig es für den Wirtschaftsstandort ist, Entwicklung und Produktion in Österreich und Europa zu halten.

Join the Future
Aktuell ist nur eine von fünf Kolleg:innen eine Frau, das soll die Initiative ändern.

Gemeinsame Initiative gegen den Fachkräftemangel

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, hat sich die Branche nun zusammengetan und die Kampagne „Join the Future“ gestartet. Mit kurzen Online-Videos, in denen herausragende Persönlichkeiten und Innovationen der Vergangenheit vorgestellt werden, möchte man das Interesse der jungen Zielgruppe wecken und gleichzeitig die verschiedenen Berufsmöglichkeiten aufzeigen. Vielfältig sind aber auch die Ausbildungswege, die die Elektrotechnik bietet – angefangen von der Lehre über die HTL bis hin zur Fachhochschule und der Universität.

Der Lehrberuf Elektrotechnik wird aktuell überarbeitet, um Lehrlinge noch besser auf die Anforderungen der grünen Transformation vorzubereiten. Dabei sollen Kompetenzen in Bereichen wie Gebäudetechnik, Smart Home, Erneuerbare Energien und Elektromobilität vermehrt in den Fokus rücken.

Werde Zukunftserfinder:in!

Auf der Website www.zukunftserfinderinnen.at können Interessierte mehr über spannende Themenfelder wie Robotik, Smart Infrastructure, Erneuerbare Energien oder E-Mobility erfahren. Dazu gibt es ein Persönlichkeitsquiz, das die Grundinformationen der Elektrotechnik vermittelt und als Wegweiser in die richtige Fachrichtung dient. Ziel ist es unter anderem, das Image der Elektronik aufzupolieren und deutlich zu machen, welch wesentliche Rolle dieser Bereich auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft spielt, sagt der Präsident des Österreichischen Verbandes für Elektrotechnik (OVE), Kari Kapsch: „Mit unserer Kampagne zeigen wir Schülerinnen und Schülern, was die Elektrotechnik in der Vergangenheit alles ermöglicht hat und laden sie ein, die Zukunft mitzugestalten. Mit einer Ausbildung in der Elektrotechnik eröffnet sich eine spannende Berufswelt mit unzähligen Möglichkeiten, die Welt zum Besseren zu verändern.“

„Join the Future“

Getragen und finanziert wird die Kampagne „Join the Future“ vom OVE (Österreichischer Verband für Elektrotechnik), dem FEEI Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie, Oesterreichs Energie, der Bundesinnung der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker sowie dem Bundesgremium Einrichtungs- und Elektrofachhandel. Vertreter:innen von Technischen Universitäten, Fachhochschulen und HTLs haben außerdem beratend mitgewirkt. „Das große Engagement der beteiligten Institutionen zeigt, wie brisant das Thema Fachkräftemangel für unsere Unternehmen, aber auch für unsere Klima- und Energieziele ist. Mit unserer Initiative setzen wir einen ersten Schritt in eine positive Zukunft“, sagt OVE-Präsident Kari Kapsch.

Credits Artikelbild: OVE I Fürthner

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