Kinderbetreuung

Kinderbetreuung: Österreich unter den Nachzüglern

Für Familien mit berufstätigen Elternteilen ist die Frage der Kinderbetreuung essenziell. Das entsprechende Angebot in Österreich ist unterschiedlich dicht. Und es gibt Vorschläge, wie es verbessert werden könnte.

Eine aktuelle Studie der Julius-Raab-Stiftung und EcoAustria hat ergeben, dass Österreich in Sachen Kinderbetreuung im letzten EU-Drittel liegt. Unter den 29 Ländern (EU-27, Schweiz, Norwegen), die verglichen wurden, liegt beim Betreuungsangebot für Unter-Dreijährige Dänemark mit einer Quote von 66 Prozent vorn, gefolgt von den Niederlanden (65 Prozent). Für Österreich wird ein Eurostat-Wert von 23 Prozent angegeben. Die Statistik Austria nennt dagegen 28 Prozent – beide Werte zeigen aber den deutlichen Aufholbedarf Österreichs. 

Das spüren nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern, vor allem die Mütter. Denn die formelle Kinderbetreuung ist ein entscheidender Faktor, ob Eltern und insbesondere Frauen entweder nur in Teilzeit oder gar nicht am Arbeitsmarkt teilnehmen. In Dänemark liegt man diesbezüglich mit 25 Prozent unter dem EU-Durchschnitt von 27 Prozent. In Österreich hingegen sind mit 49 Prozent fast die Hälfte aller Frauen in Teilzeit, so die StudienautorInnen. Das resultiert für Frauen in Gehaltseinbußen und einer geringeren Pension. 

Kinderbetreuung: Steiermark Schlusslicht

Bei der Betreuungsquote der drei- bis fünfjährigen Kinder rangieren die Steiermark mit 88,2 Prozent, Wien mit 89 Prozent und Kärnten mit 89,3 Prozent auf den letzten Plätzen im Bundesländervergleich. Am besten diesbezüglich versorgt sind die Kinder in Niederösterreich (97,3 Prozent), dem Burgenland (96,7 Prozent) und Vorarlberg (95,6 Prozent). Knapp dahinter liegt Tirol (95,3 Prozent). Oberösterreich weist eine Quote von 93,7 Prozent auf, Salzburg von 92,8 Prozent. Österreichweit liegt die Betreuungsquote laut Statistik Austria (Jahr 2020) bei 92,6 Prozent.

Höhere Quote – mit zwei Ausnahmen

Bundesweit hat sich das Betreuungsangebot in den letzten Jahren aber deutlich verbessert. Im Jahr 2000 lag der Österreich-Schnitt noch bei 77,6 Prozent, 2010 bei 90,7 Prozent. Auffallend: In allen Bundesländern außer dem Burgenland und Wien gab es zwischen 2010 und 2020 eine Fortsetzung des Trends zu höheren Betreuungsquoten. In den beiden genannten Bundesländern dagegen sank die Quote – im Burgenland von 98,8 (2010) auf 96,7 Prozent, in Wien von 91,3 (2010) auf 89 Prozent (2020).

Starker Anstieg bei den Jüngsten

Die Zahl der Null- bis Zweijährigen in Österreichs Kinderbetreuungseinrichtungen ist in den vergangenen zehn Jahren stark angewachsen: Haben 2010 noch 40.000 Unter-Dreijährige eine Krippe besucht, waren es 2020 bereits 70.750 (plus 77 Prozent). Insgesamt liegt die Betreuungsquote in dieser Altersklasse bei knapp 28 Prozent. Wien kommt trotz eines leichten Rückgangs nach wie vor auf die mit Abstand höchste Quote von 43 Prozent. Nur noch das Burgenland (34,5 Prozent) und Vorarlberg (29 Prozent) liegen über dem Bundesdurchschnitt. Den letzten Platz teilen sich Oberösterreich und die Steiermark mit knapp 18 Prozent.

20 Tage pro Jahr geschlossen

Vor besondere Herausforderungen werden Eltern kleiner Kinder in den Ferien gestellt, wenn viele Betreuungseinrichtungen ebenfalls den Betrieb einstellen beziehungsweise zurückfahren. Durchschnittlich haben die Kinderkrippen, Kindergärten und Horte in Österreich 20,5 Betriebstage pro Jahr geschlossen. Die meisten Schließtage (durchschnittlich zehn) fallen wenig überraschend in die Sommerferien, fünf Tage ist durchschnittlich in den Weihnachtsferien geschlossen, nur zwei bis drei Tage rund um Ostern. Im Bundesländervergleich verzeichnet Tirol die meisten geschlossenen Betriebstage pro Jahr (33,2), Wien die wenigsten (9,4).

Knackpunkt Öffnungszeiten?

Beim Beginn der Öffnungszeiten zeigt sich, dass mehr als 85 Prozent der Krippen und Kleinkindbetreuungseinrichtungen beziehungsweise der Kindergärten im Durchschnitt bereits vor 7.30 Uhr für die Kinderbetreuung zur Verfügung stehen. Etwas weniger als die Hälfte der Krippen und Kleinkindbetreuungseinrichtungen und etwa drei Viertel der Horte haben bis mindestens 17 Uhr geöffnet. Bei den Kindergärten sperrt ein Fünftel vor 14 Uhr zu, während jeder dritte bis mindestens 17 Uhr geöffnet hat.  

Hälfte der Kinder bleibt den ganzen Tag

Von den insgesamt 373.881 Kindern, die österreichweit in Kindergärten, -krippen und Horten betreut werden, nutzen knapp über die Hälfte das ganztägige Angebot. 38 Prozent sind nur vormittags dort, zehn Prozent nur nachmittags.  

Forderung nach digitaler Plattform

Zur Verbesserung der Betreuungssituation beziehungsweise zur besseren Abstimmung, um Betreuungslücken zu stopfen, schlägt die Junge Industrie in der Steiermark eine digitale Plattform vor, die tagesaktuell und landesweit eine Vernetzung von Angebot und Nachfrage möglich macht.

Elementarbildung soll Bundessache werden

In Österreich ist die Kinderbetreuung Landessache, wobei die Gemeinden (Wien ausgenommen) durchschnittlich rund drei Viertel der Nettoausgaben tragen. Die restlichen rund 25 Prozent sind zweckgebundene Zuschüsse des Bundes sowie Förderungen der Länder. Diese Mischfinanzierung führt zu Intransparenz sowie mangelnder Administrierbarkeit der Finanzierungen. Um mehr Flexibilität zu schaffen, drängt die Junge Industrie Steiermark daher darauf, sich vom „Gemeindesprengeldenken“ zu verabschieden. Über einen Zwischenschritt auf Landesebene, der bereits mehr Bedarfs- und Kostentransparenz bringe, solle die Elementarbildung schlussendlich Bundeskompetenz werden, so der Vorschlag.  

Credits Artikelbild: adobe stock | fizkes
Lichtblick

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