Trinkbecher Konzert

Mehrwegbecher, mit denen man bezahlen kann

Ein Vorarlberger Kunststoffspezialist revolutioniert die Trinkbecher für Stadien: Dank integriertem Chip macht er sie zur Geldbörse. Durch ein eigenes Design verunmöglicht er gezieltes Becherwerfen.

Uhr, Smartphone oder Bankomat- beziehungsweise Kreditkarte: Dass man nicht zwingend Münzen und Geldscheine braucht, um seine Rechnung zu begleichen, ist mittlerweile State of the Art. Bargeldlose Bezahlsysteme breiten sich jetzt aber auch auf Gegenstände aus, die man auf den ersten Blick nicht damit in Verbindung bringen würde. Auf den zweiten auch nicht. Trinkbecher beispielsweise.

Denn selbst bei den Mehrwegbechern aus Kunststoff, wie sie beispielsweise in Fußballstadien, bei Hallenkonzerten oder Freiluftfestivals zur Getränkeversorgung des Publikums zum Einsatz kommen, ist die Digitalisierung mittlerweile angekommen. Die Trinkbecher werden jetzt „smart“.

RFID-Chip im Trinkbecher

Möglich macht das eine Entwicklung des Vorarlberger Kunststoffspezialisten Fries aus Sulz bei Feldkirch. Zusammen mit der Tochterfirma Cup Concept hat man einen Mehrwegbecher aus Polypropylen entwickelt, bei dem ein RFID-Chip im Becherboden eingebaut ist.

Wie RFID funktioniert

RFID steht für Radio-Frequency Identification, also Funkerkennung. Es ist ein System, das ein Speichern und berührungsloses Übertragen von Daten mithilfe von Radiowellen von einem Sender- zu einem Empfängermedium ermöglicht. Vereinfacht gesagt werden auf einem Transponder, der an einem Gegenstand (oder Lebewesen) angebracht ist, Informationen gespeichert. Ein RFID-Lesegerät sendet Signale an diesen Transponder und veranlasst ihn, die Informationen zu übermitteln. Erstmals eingesetzt wurde das System Ende des Zweiten Weltkriegs als eine Art Sekundärradar.

Heute wird die Technologie beispielsweise zur Erkennung von Medikamenten, für elektronische Wegfahrsperren bei Fahrzeugschlüsseln, zur Positionsbestimmung von Gegenständen, für die Zutrittskontrolle in Gebäuden, zur Identifizierung von Tieren, Ortung von Menschen oder eben – siehe Trinkbecher – bei Funkbezahlsystemen eingesetzt.

Der Vorteil bei Mehrwegbechern? In Stadien oder auf Festivalgeländen kommt es immer wieder zu massiven Bestellspitzen, beispielsweise in der Pause eines Spiels oder Konzerts. Als Alternative für den konventionellen Ausschank, bei dem der Bezahlvorgang immer ein zusätzlicher „Staufaktor“ ist, lädt man sich bei der Innovation von Fries ein Guthaben direkt auf den Becher. Zudem lässt sich auch die Art und Größe des Getränks programmieren. 0,3 Liter Cola oder ein Krügerl Bier? Der Becher weiß es. Der Gast kann so bei der Self-Service-Station den Becher zeitsparend auslesen und sein Getränk beziehen.

100.000 Becher ersparen eine Tonne Müll

Der Becher eignet sich außerdem für ein sicheres Pfandsystem. Durch den integrierten RFID-Chip kann ein individueller Geldbetrag, zum Beispiel zwei Euro, aufgeladen und bei Rückgabe wieder gutgeschrieben werden. Die verschlüsselte ID-Nummer auf dem Chip sorgt dafür, dass missbräuchliche Verwendung ausgeschlossen ist. Das Rückgabepfandsystem ist sowohl offline möglich als auch mit einem Onlinesystem kompatibel.

Das Mehrwegsystem wirkt zudem nachhaltig. So kann mit 100.000 eingesetzten Mehrwegbecher bei einer Großveranstaltung eine Tonne Müll eingespart werden, die durch weggeworfene Einwegbecher anfallen würde. Es ist aber nicht die einzige Innovation, mit der Fries den Kunststoffbechermarkt bereichert.

Keine Chance für Becherwerfer

Um die Sicherheit in Stadien zu erhöhen, hat man einer beliebten Fan-Verirrung den Kampf angesagt: dem Becherwerfen. Dafür wurde ein eigenes Produktdesign entwickelt, das gezieltes Werfen verunmöglicht, weil sich der Becher während des Flugs entleert und damit Würfe über eine größere Entfernung im gefüllten Zustand nahezu unmöglich werden. Möglich wird das durch einen zur Henkelseite hin ansteigenden und damit schrägen Becherboden. Damit ergibt sich eine Ungleichverteilung der Füllmasse: Gegenüber des Henkels ist die Wassersäule größer als auf der Henkelseite.

Trinkbecher
„Wurfuntauglicher“ Trinkbecher: Der schräge Boden destabilisiert die Flugeigenschaften. Die Flüssigkeit schwappt gleich zu Beginn heraus. Foto: Fries

Das führt zu einem instabilen Flugverhalten, weil unmittelbar nach dem Abwurf ein Drehimpuls wirksam wird, der zum Austritt der Flüssigkeit führt. Der Luftdurchfluss zwischen Henkel und Becherkorpus sorgt zudem dafür, dass der Becher auf der Seite statt auf der Bodenkante landet – zur Freude der Schieds- und Linienrichter:innen oder Anhänger:innen der gegnerischen Mannschaft. Und zur Freude von Fries: Das Unternehmen gewann für diese Designentwicklung einen Innovationspreis.

GUT ZU WISSEN

  • Fries Kunststofftechnik ist ein Familienunternehmen mit Hauptsitz in Sulz, das in dritter Generation geführt wird. Der Betrieb beschäftigt aktuell 200 Mitarbeiter:innen.
  • Das Unternehmen ist ein Spezialist für Kunststoffverarbeitung und entwickelt und produziert Industrieverpackungen, Spülkörbe und Kunststoffgetränkesysteme für die Gastronomie, Sicherheitshelme und technische Formteile.
  • In Sulz werden jährlich rund 5.000 Tonnen Kunststoff verarbeitet. Die Exportquote liegt bei 89 Prozent. Beliefert werden Kund:innen in mehr als 50 Ländern weltweit.
Credits Artikelbild: adobe stock | astrosystern

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