Solar statt Gas

Mit Sonne statt Gas zur Umsatzmilliarde

Das Industrieunternehmen Fronius hat an seinen österreichischen Standorten den Ausstieg aus Gas geschafft und zudem erstmals die Milliarden-Euro-Umsatz-Grenze geknackt. Jetzt wird weiter investiert.

Wovon viele seit dem Beginn der Energiekrise sprechen, wird bei Fronius Realität: Das oberösterreichische Technologieunternehmen schafft den Ausstieg aus Gas und wird künftig alle Fertigungsstandorte in Österreich ohne fossile Energie betreiben.

Bei Fronius spricht man von einem „Meilenstein auf dem Weg zur Dekarbonisierung“. Schon bisher hat man Energie zu großen Teilen aus der eigenen Geothermieanlage in Thalheim bezogen. Sie war zum Zeitpunkt ihrer Eröffnung im Jahr 2011 die größte ihrer Art in Europa.

Eis statt Gas zum Heizen

Jetzt wurden die letzten verbliebenen Gas- und Ölheizungen durch Pelletsanlagen, Wärmepumpen oder Fernwärmeanschlüsse ersetzt. Außerdem ist bei Fronius aktuell die größte Eisspeicheranlage Europas im Einsatz. Damit wird in Sattledt die Produktionsanlage im Winter beheizt und im Sommer gekühlt.

WIE FUNKTIONIERT EIN EISSPEICHER

  • Der Eisspeicher besteht aus zwei Betonbehältern. Bei Fronius haben sie einen Durchmesser von je 20 Meter und eine Höhe von 5,5 Meter und sind unterhalb der Tiefgarage vergraben.
  • Innerhalb der beiden Zylinder befindet sich ein 88 Kilometer langes Leitungsnetz, in dem eine frostsichere Flüssigkeit zirkuliert.
  • Die Beton-Zylinder selbst sind mit Wasser gefüllt.
  • Durch den Wärmeentzug aus dem Eisspeicher gefriert das Wasser im eingegrabenen Zylinder.
  • Beim Wechsel des Aggregatzustands wird so viel Energie freigesetzt, wie man benötigt, um einen Liter Wasser von 0 auf 80 Grad zu erwärmen. Mit dieser entzogenen Energie wird geheizt.
  • Am Ende der Heizperiode tritt dann der umgekehrte Effekt ein: Dem gefrorenen Wasser wird Kälte zum Kühlen der Gebäude entzogen.

Durch die Investitionen in den Gasausstieg kann Fronius im Vergleich zum Vorjahr allein an den Standorten Sattledt, Thalheim, Pettenbach und Steinhaus mehr als 2,9 Gigawattstunden Erdgas einsparen. Das entspricht dem Gasverbrauch von etwa 73 Einfamilienhäusern.

Eine Milliarde Euro Umsatz

Aber auch im Kerngeschäft profitiert Fronius von der steigenden Nachfrage nach nachhaltigen Energieformen. So hat man es vor allem aufgrund der boomenden Solarenergiesparte geschafft, im vergangenen Jahr erstmals die „Schallmauer“ von einer Milliarde Euro Umsatz zu überspringen.

Es ist die Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte. Bereits 2021 schaffte man ein Plus von 21 Prozent auf 995 Millionen Euro. Im Vorjahr gelang schließlich das Knacken der Milliardengrenze. Der Wachstumsgeschichte sollen mittelfristig noch weitere Kapitel hinzugefügt werden. Dafür wird weiter großzügig investiert.

233 Millionen Euro für Ausbau 

Bereits im Vorjahr sind 187 Millionen Euro in die Standorte in Sattledt und Krumau (Tschechien) geflossen. Allein am oberösterreichischen Standort kamen zuletzt zu den bestehenden 41.000 Quadratmetern weitere 28.000 Quadratmeter Nutzfläche für Fertigungsanlagen und ein vollautomatisiertes Hochlager dazu. Der Komplex gilt als größter und wohl modernster seiner Art in Europa.

Heuer will man heuer noch einmal insgesamt 233 Millionen Euro in den Ausbau der Produktionskapazitäten stecken. So wird das gerade erst ausgebaute Werk in Tschechien weiter vergrößert und in Sattledt zwei weitere Produktionslinien installiert.

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Fronius-CEO Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß setzt auf Innovationskraft und sucht in Österreich 800 neue Mitarbeiter:innen.Foto: Fronius

Die Energiekrise hat das ohnehin bereits rasante Wachstum im Geschäftsbereich Photovoltaik nämlich zusätzlich beschleunigt. So wurden 2022 knapp 32.000 Wechselrichter pro Monat produziert. Bis Ende 2023 sollen es mehr als 52.000 pro Monat sein. Damit gilt man heute als Vorreiter und größter europäischer Hersteller von Prosumer-Lösungen in Sachen Sonnenstrom. Weltweit sind insgesamt bereits 3,4 Millionen Wechselrichter von Fronius im Einsatz. Sie erzeugen jährlich 35,1 Terawattstunden Sonnenenergie. Die Menge entspricht der Leistung von 33 Donaukraftwerken.

Suche nach 1300 neuen Mitarbeiter:innen  

Dafür wird es auch eine größere Belegschaft brauchen. Allein im Jahr 2022 wurden mehr als eintausend neue Mitarbeiter:innen aufgenommen. „Bis Ende 2023 suchen wir noch einmal 1.300 neue Kolleginnen und Kollegen, 800 davon in Österreich“, erklärt Geschäftsführerin Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß.

Seit 2012 leitet sie das Familienunternehmen mit Sitz in Pettenbach, einer kleinen 5.000-Einwohner:innen-Gemeinde in der Nähe des Autobahnkreuzes der A9, A8 und A1 bei Sattledt. Gegründet als ein auf Schweißtechnik spezialisierter Betrieb, hat man nach und nach das Portfolio erweitert und verfügt heute über drei Hauptgeschäftsfelder: Solarenergie, Schweiß- und Batterieladetechnik. Der Fokus lag und liegt dabei auf innovativen Produktlösungen.

500.000 Wechselrichter pro Jahr

Der Innovationskraft gehört quasi zur DNA des Unternehmens, seit Gründer Günter Fronius die Idee für ein Gerät hatte, mit dem Autobatterien wieder geladen und länger verwendet werden können. Heute zählt das Unternehmen mit zuletzt 49 Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt zu den Top 5 in Österreich.

Und als man vor 30 Jahren den Geschäftsbereich „Solar Energy“ gegründet hat, gab es den Markt noch gar nicht. Drei Jahre später, 1995, verkaufte man immerhin bereits 50 Wechselrichter für Photovoltaikanlagen. Aktuell sind es über 500.000 Stück. Dazwischenliegende Nachfragetäler wurden mit einem Sparkurs und der Rückbesinnung auf die Innovationskraft überbrückt. Das Ergebnis war die Entwicklung einer neuen Generation von Wechselrichtern.

Der Erfolg kam zurück. Mittlerweile beschleunigt die Energiekrise das ohnehin bereits rasante Wachstum in diesem Geschäftsbereich zusätzlich. Die Produktion läuft trotz instabiler Lieferketten, Bauteilknappheit und Mitarbeiter:innenmangel auf Hochtouren.

GUT ZU WISSEN

  • Fronius wurde 1945 als Ein-Mann-Betrieb gegründet und hat mittlerweile weltweit mehr als 6.100 Mitarbeiter:innen.
  • Bis Ende 2023 will man noch einmal 1.300 neue Mitarbeiter:innen aufnehmen, 800 davon in Österreich.
  • Der aktuelle Exportanteil liegt bei 89 Prozent, mit 37 internationalen Tochtergesellschaften und Vertriebspartnern in mehr als 60 Ländern.
Credits Artikelbild: adobe stock | Lohrbach
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