nachhaltigen Karton

Paket-Check vor Weihnachten: Wie nachhaltig ist Karton wirklich?

Wer kennt nicht dieses Gefühl, wenn die Post an der Tür klingelt und man ein Paket mit schönen Dingen erwartet? Vor allem in Lockdown-Zeiten versüßt uns dieser Gedanke die Tage. Und vereinfacht etwa den Kauf von Geschenken. Pünktlich zum vorweihnachtlichen Paketboom stellen wir uns also die Frage: Gibt es nachhaltigen Karton wirklich?

Über 18 Millionen Pakete hat die Post hierzulande alleine im Dezember 2020 zugestellt. Die bevorstehende Weihnachtszeit bedeutet nicht nur Hochsaison für die Post, sondern sorgt auch für volle Papiercontainer nach den Feiertagen. Der Großteil davon: Versandboxen aus Karton.

Die Vorteile von Karton

Zuerst wollen wir den Karton ein wenig loben. Er ist immerhin das einzige Verpackungsmaterial, das vollständig biologisch abbaubar ist oder am Ende seines Lebenszyklus wieder zur Energiequelle wird. Global gesehen, ist Karton das meistrecycelte Verpackungsmaterial. Seine Recyclingrate liegt bei 80 Prozent – Bestwert unter allen Packstoffen in Europa. Bis zu 25-mal ist eine Kartonfaser recycelbar. Und zusammengefaltet benötigen die Kartonagen wenig Platz im Lager.

Sein Kreislauf ist schnell erklärt: Die Schachteln werden maschinell beziehungsweise mit wenigen Handgriffen aufgefaltet, befüllt, zugeklebt und versendet. Nach dem Ankommen und Auspacken werden sie meist gleich in der passenden Tonne entsorgt. Von dort aus geht es zum Recyclinghof zur Sortierung und Wiederverwertung. So einfach und so nachhaltig. Ob das aber tatsächlich möglich ist, hängt vom Kartonmaterial und seiner Zusammensetzung ab.

Gibt es Nachhaltigen Karton?

Karton ist nämlich dann nachhaltig, wenn er aus recycelbaren und biologisch abbaubaren Materialien besteht und seine Fasern von Hölzern aus Wäldern mit nachhaltiger Bewirtschaftung stammen. 70 bis 80 Prozent der Holzfasern für die europaweite Kartonagenindustrie stammen aus europäischen Wäldern. In Finnland und Schweden liegt das Wachstum der Waldbestände jährlich sogar deutlich über der Erntemenge. Vertrauenswürdige Zertifizierungssysteme sind das Forest Stewardship Council FSC® oder das „Programme for the Endorsement of Forest Certification“, kurz PEFC™.

Die getrennte Sammlung von Altpapier erspart in Österreich laut Austria Papier Recycling rund acht Millionen Kubikmeter Deponievolumen, der Umwelt die Entstehung von über einer Milliarde Kubikmetern des Klimagiftes CO2 und der Volkswirtschaft über einhundert Millionen Euro jährlich.

Karton wird aus Holz gewonnen …

Na, haben Sie nun auch einen hartnäckigen Ohrwurm? Der Werbejingle, den viele von uns kennen, stammte vom österreichischen Unternehmen Öko-Box. Das Unternehmen zur stofflichen Wiederverwertung von Tetra-Paks stellte man bei Einführung der Gelben Tonne im Jahr 2018 ein. Davor kamen aber alle in der Öko-Box gesammelten Getränkekartons zum Recyceln an einen Ort: in die Kartonfabrik der Firma Mayr-Melnhof in Frohnleiten. Hier verbirgt sich bis heute die höchste Produktionskapazität der europäischen Kartonindustrie. Das hier angesiedelte Kompetenzzentrum der Abteilung „MM Board & Paper“ ist das größte in Europa und umfasst die drei Schwerpunktbereiche Forschung und Entwicklung, Produktsicherheit und Compliance sowie Analytische Chemie. Es ist außerdem FSC®- und PEFC™-zertifiziert.

Industrielle Produktion von Karton seit 1913

Die Mayr-Melnhof-Gruppe hat sich der weltweiten Initiative „Business Ambition for 1,5 °C“ angeschlossen, um durch geeignete Maßnahmen zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad beizutragen. Im Rahmen dieser Plattform verpflichtet man sich zur Setzung wissenschaftsbasierter Klimaziele von Netto-Null-Emissionen der gesamte Wertschöpfungskette bis spätestens 2050.

  • Nachhaltigen Karton
    Im MM-Werk in Frohleiten verbirgt sich die höchste Produktionskapazität der europäischen Kartonindustrie.Foto: MM Group
  • Nachhaltigen Karton
    Der falsche Kleber kann die Recyclingfähigkeit von Karton negativ beeinflussen.Foto: MM Group

Und das ist auch nötig, denn Papier- und Kartonabfall gibt es genug, Tendenz stark steigend. Laut Statistiken der ARA sammelt diese pro Jahr über 600.000 Tonnen Papier(-verpackungen) ein. Rund zwei Drittel davon stammen aus Handel, Gewerbe und Industrie, ein Drittel aus dem haushaltsnahen Bereich. Österreichweit stehen rund 1,4 Mio. rote Altpapier-Sammelbehälter zur Verfügung.

Mit Fett kontaminierter Karton kann leider nicht mehr recycelt werden. Dasselbe gilt für nassen Karton, der die Sortiermaschine verstopfen würde.

Warum wir recyceln

Verpackungen aus Papier, Karton, Pappe und Wellpappe stellt man in Österreich fast zur Gänze aus Altpapier her. Das Material kann dabei den Kreislauf von Produktion und Verwertung mehrmals durchlaufen, im Durchschnitt bis zu sechsmal, bevor sie automatisch ausgeschieden werden. Vor allem am Beispiel Wellpappe zeigt sich das grüne Potenzial des Materials Karton: Ganze 98,8 Prozent der gebrauchten Wellpappeverpackungen werden in Österreich gesammelt und zu neuem Wellpapperohpapier verarbeitet. Bis zu 25-mal kann das Material sogar wiederverwertet werden. Für den Frischfaseranteil (durchschnittlich 21 Prozent) nutzt man meist sogar bereits abgebrochenes Holz, das bei der Pflege bewirtschafteter Wälder gesammelt wird. Der übrige Anteil ist Altpapier.

Kein Plastik, kein Problem?

Auf Versand ohne Plastik sind HerstellerInnen und Unternehmen mittlerweile stolz. Denn: Plastik ist böse und Karton ist besser – oder? Pauschal kann man das nicht so leicht beantworten. ExpertInnen, die sich die Umweltbilanz von Karton genauer angesehen haben, sind sich da nicht ganz einig. Es kommt nämlich darauf an, welche Art von Karton es ist. Vermeiden sollte man nämlich Papierprodukte aus Verbundmaterialien, da sie mit dünnem Plastik beschichtet sind. Dieses wird dann umständlich abgelöst und danach verbrannt. Auch ungeeignete Klebstoffe oder Druckfarben beeinflussen die Recyclingfähigkeit von Karton negativ. Denn die Qualität des Recyclingpapiers nimmt sowieso stetig ab. Die Zusammensetzung des Altpapiers in der Tonne verändert sich nämlich zusehends: Zeitungen und Büropapiere aus hochwertigen Fasern nehmen ab, Verpackungen, die sowieso bereits aus Altfasern bestehen, nehmen dagegen immer weiter zu. Die Aufbereitung des Altpapiers gestaltet sich dadurch schwieriger und es fallen mehr Reststoffe an.

Es spielt auch eine Rolle, wie viel Material für die Verpackung verwendet wird. Gemüse wird beispielsweise oft in dünner Plastikfolie verpackt, mittlerweile aber auch oft plastikfrei in einer dicken, farbig-bedruckten Kartonschale. Die Option ohne Plastik braucht also mehr Material, was sich negativ auf die Ökobilanz auswirken kann.

Damit kann Karton gewinnen

Die Formel, die Karton dennoch als Gewinner dieses Matches hervorgehen lässt: recycelte Altpapierfasern + Frischfasern aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern + Recycling.

Denn so können die CO2-Emissionen, die bei Produktion und Entsorgung entstehen, von dem Baumbestand aus der Atmosphäre aufgenommen werden. Das heißt, es kommen keine zusätzlichen Treibhausgase in die Atmosphäre. Es muss daher sichergestellt werden, dass genauso viel Holz nachwächst wie verwendet wird. Anders ist das bei den fossilen Rohstoffen, aus denen Plastik besteht. Diese wurden schließlich unterhalb der Erdoberfläche gefördert und befanden sich dadurch schon lange nicht mehr in der Atmosphäre. Bei der Verbrennung steigt die Konzentration von Treibhausgasen also wieder, ohne kompensiert zu werden.

Wir ziehen Bilanz

Karton ist biologisch abbaubar, mehrfach benutzbar und recyclingfähig. Bei seiner Herstellung sollte auf fossile Rohstoffe wie dünne Plastikbeschichtungen verzichtet und der CO2-Ausstoß während der Herstellung auf ein Minimum reduziert werden. Also gibt es nur noch eines, was unsere bestellten Weihnachtsgeschenke noch umweltschonender machen würde: Verpackungen im Mehrwegsystem. Klingt utopisch? Steht aber bereits in den Startlöchern! Wie das funktionieren soll, erfahren Sie allerdings erst im nächsten Artikel.

Über Mayr-Melnhof

MM ist Europas führender Produzent von Karton und verarbeitet jährlich rund 800.000 Tonnen Karton und Papier. Im Fokus stehen innovative faserbasierte Verpackungslösungen. Es werden sowohl multinationale als auch lokale Kunden aus der Markenartikelindustrie beliefert. Mit einer Kapazität von 1,4 Millionen Jahrestonnen ist MM Board & Paper einer der weltweiten Marktführer von gestrichenem Recyclingkarton (engl. CRB = Coated Recycled Board). Das Altpapier bezieht MM Board & Paper aus geprüften Quellen europäischer Ballungszentren, um eine optimale Herkunfts- und Qualitätskontrolle zu gewährleisten. MM erwirtschaftet inklusive der jüngsten Akquisitionen Umsatzerlöse von rund 3,2 Mrd. Euro und beschäftigt rund 12.500 MitarbeiterInnen.

Das könnte dich auch interessieren

Lichtblick

Dir gefällt, was du hier liest?

Einfach "Fakt & Faktor" als Newsletter abonnieren!

Jetzt abonnieren