Kinder programmieren

Wenn Programmieren zum Kinderspiel wird

Man muss kein Nerd sein, um programmieren zu lernen. Auch kein Genie. Und erst recht kein Erwachsener. Wenn Kinder programmieren wollen, helfen eigene Programmiersprachen schon im Vor- und Volksschulalter zu verstehen, wie Computer „denken“.

Programmieren soll den gleichen Stellenwert haben wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Das fordern Expertinnen und Experten schon lange. Immerhin dominieren Algorithmen und Software immer mehr Bereiche unseres Lebens. Und egal, welchen Weg man später einschlägt, ein gewisses digitales Grundverständnis wird in jedem Job notwendig sein.

Doch wie sollen wir unseren Kindern beibringen, was wir selbst nicht verstehen? Zum Glück gibt es eigens für Kinder entwickelte Programmiersprachen, die schon die Kleinsten spielerisch an das Thema heranführen. Und ganz nebenbei fördern sie auch noch die Lesekompetenz, das mathematische Verständnis und problemlösungsorientiertes Denken.

Wenn Kinder programmieren: Am Anfang war die Schildkröte

Eine der ersten kindgerechten Programmiersprachen war Logo. Sie wurde bereits Ende der 1960er-Jahre vom südafrikanischen Mathematiker und Informatiker Seymour Papert am MIT entwickelt. Heute ist sie vor allem noch wegen der sogenannten Turtle-Grafik bekannt, bei der eine virtuelle Schildkröte über den Bildschirm kriecht und dabei eine bunte Linie hinter sich herzieht. Das Konzept war so erfolgreich, dass es oft kopiert wurde und in abgeänderter Form noch heute eingesetzt wird.

Kinder programmieren
Diese so genannte Turtle-Grafik wird von der ersten kindgerechten Programmiersprache „Logo“ ausgegeben.Foto: remi, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

Mit Logo wollte Seymour Papert eine Umgebung schaffen, in der Kinder sich nicht nur mit der Theorie beschäftigen und lernen, „um zu lernen“. Stattdessen sollten sie sich gemeinsam mit anderen ein Ziel setzen, wie etwa ein Spiel zu programmieren, und dieses im Idealfall auch verwirklichen. Das Lernen sollte ganz nebenbei geschehen.

Kinder sprechen anders über Computer und Technologie

Papert war Teil einer „Lernrevolution“, der sich Jahrzehnte später auch der Amerikaner Mitchel Resnick anschloss. Die beiden lernten einander im Jahr 1982 bei einer Computermesse kennen. Resnick war damals noch Wissenschaftsjournalist und recherchierte für einen Artikel über das Silicon Valley, Papert war einer der Hauptredner. Die Art, wie er über Kinder, Computer und Technologie sprach, beeindruckte Resnick so sehr, dass er Papert ans MIT folgte, um von ihm zu lernen. Dort entwickelte er auch gemeinsam mit seinem Team im Jahr 2007 die Programmiersprache Scratch.

Kinder programmieren mit bunten Blöcken statt komplizierten Codes

Scratch ist bis heute eine der bekanntesten Anwendungen, wenn es darum geht, dass Kinder programmieren lernen. Sie kann direkt im Browser ausgeführt werden. Dank der grafischen Oberfläche muss man die Befehle nicht mühsam Zeile für Zeile eingeben, sondern reiht stattdessen bunte vorgefertigte Code-Blöcke per Mausklick aneinander.

Am liebsten wäre mir ein Bürojob, bei dem ich programmieren kann. App-Spiele zum Beispiel oder Websites.

Helena Krall, 14-jährige Programmiererin

So können schon Kinder und Jugendliche (und natürlich auch Erwachsene) in wenigen Schritten Videospiele, Animationen oder interaktive Kunstwerke erstellen und im Internet mit anderen teilen. Die EntwicklerInnen empfehlen Scratch für Kinder ab acht Jahren. Für die Jüngeren gibt es die kostenlose App ScratchJR, mit der sich ebenfalls Spiele und interaktive Geschichten programmieren lassen, nur mit dem Unterschied, dass die Kinder hier nicht einmal lesen können müssen.

Von 0 auf Programmiererin in drei Jahren

Auch die 14-jährige Helena Krall lernte mit Scratch zu programmieren. Sie war ungefähr zehn Jahre alt, als ihre Mutter sie in der Programmierschule „Acodemy“ anmeldete. „Das Programmieren hat mir gleich voll getaugt“, schwärmt die Niederösterreicherin. An das erste Spiel, das sie selbst programmierte, erinnert sie sich heute noch.

Acodemy
Elisabeth Weißenböck und Anna Relle gründeten mit „Acodemy“ die erste Programmierschule für Kinder. Dort machte die heute 14-jährige Helena Krall ihre ersten codierten Erfahrungen.Foto: Stefan Fürtbauer

Damals musste die Figur Dinge einsammeln, um Punkte zu bekommen, während ein Gegner versuchte, ihr diese wieder abzunehmen. In ihrem dritten Jahr bei der Acodemy programmierte Helena Krall bereits komplexe Strategiespiele. Ihr selbst programmiertes Lieblingsspiel war an das erfolgreiche Handyspiel „Clash of Clans“ angelehnt, bei dem es darum geht, ein Dorf aufzubauen und gegen andere Clans zu verteidigen.

Immer mehr Mädchen lernen zu programmieren

Seit Herbst besucht Helena Krall den IT-Zweig des TGM (Schule der Technik). In ihrem Jahrgang sind außer ihr noch sechs weitere Mädchen – immerhin mehr als in den Vorjahren. Obwohl Helena heute mit anderen Programmiersprachen arbeitet, merkt sie immer wieder, wie sie dank ihrer Erfahrungen mit Scratch einzelne Blöcke auf Anhieb versteht. Was sie später einmal beruflich machen möchte? „Am liebsten wäre mir ein Bürojob, bei dem ich programmieren kann. App-Spiele z. B. oder Websites.“ Eine bestimmte App, die sie einmal entwickeln möchte, habe sie nicht im Kopf. „Da gibt es so viele Möglichkeiten, die kenne ich jetzt noch gar nicht. Aber es wird sich schon etwas finden.“

Fazit:

Wenn Kinder programmieren lernen, öffnet ihnen das Türen in ganz neue Welten. Ob sie später hindurch gehen wollen oder nicht, müssen sie selbst entscheiden. Aber sie sollten zumindest wissen, dass es sie gibt.

Lichtblick

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